Jahrestagung 2011

Gebären – Die Kraft des Anfangs

Erste Eindrücke von der diesjährigen Jahrestagung finden Sie auf dieser Seite.

Weitere Fotos hier.

 

(Referentin Hanna Strack)

 

 

 

Gebären – die Kraft des Anfangs – baf- Jahrestagung im Herbst

 von Heidi Herborn

Zugegeben, ich zögerte vor der Anmeldung. Ist das noch mein Thema? Wo ich mich doch eher dem Ende nähere. In der Einladung las ich: „Dem Anfang auf der Spur“, „Schöpferisch mit Hand und Fuß“, „Geburt in die Freiheit“, und „..Neu geboren werden“. Das macht mich dann doch neugierig, und so fahre ich wieder einmal im Oktober zu baf, diesmal nach Schmerlenbach, in das freundliche Tagungshaus. Vieles ist hier schon vertraut, wir sind willkommen. 

Noch nie hat das Thema für den ersten Abend so gestimmt, wie dieses Mal: „In froher Erwartung“. Sie sind wieder gekommen: Charlotte aus Kanada,  – seit über 10 Jahren reist sie zur baf- Tagung an; Rina aus den Niederlanden, baf-Frauen von Aachen bis Blumberg,  „Erfahrene“, und „die Neuen“, zum ersten Mal dabei. Drei „Männer“ sind auch da: Christopher, Jakob und Lennard, mit ihren Mamas; auch Leoni und Sara  brauchen die Mama noch. Und weil es Kinderbetreuung gibt, können die jungen Mütter zur baf-Tagung kommen. Paula ist mit der Oma da, zum fünften Mal. Paula ist fünf. Die Begrüßung – das baf-Ritual zu Beginn der Tagung: Wahrgenommen werden, beim Namen genannt, willkommen geheißen; für viele ein wichtiger Moment; denn das ist nicht immer so selbstverständlich in unserer Gesellschaft.  Und daraus entstehen die ersten Gespräche miteinander  zum Thema. „Die Kraft des Anfangs“;  eines haben wir alle gemeinsam, wir alle sind geboren worden; verändert sich unser Blick aufs Leben, wenn wir das als Leitmotiv nehmen, immer wieder neu anfangen können – kraftvoll?

Am anderen Morgen: „Gebären, die Kraft des Anfangs.“ Hanna Strack, Pastorin i.R., langjährige Herausgeberin des Frauenkirchenkalenders, befasst sich in den letzten Jahren intensiv mit Fragen einer Theologie der Geburtlichkeit. Herkömmliche Philosophie denkt die Menschen im Wesentlichen von ihrem Ende, vom Tod her. Vor allem Theologinnen beschäftigen sich seit einiger Zeit mit dem Jahrhunderte lang verdrängten Geborensein der Menschen als Bestimmungsmerkmal unserer Existenz. Weshalb sollte auch der Anfang des Lebens für dessen Verständnis weniger wichtig sein als das Ende? Welchen Unterschied macht der Gedanke für unser Leben, dass wir Menschen nicht nur den Tod gemeinsam haben, sondern genauso und vielleicht noch viel prägender unser Geborensein?  Ist es nicht eine ermutigende Tatsache, dass wir immer wieder neu anfangen können, wenn Menschen nicht nur als Sterbliche definiert werden, sondern als Geborene. Hanna Strack berichtet, dass es in theologischen Nachschlagewerken lange Abhandlungen über die Bedeutung des Todes gibt, aber meist nur wenig oder gar nichts über das Geborensein. In der Bibel gibt es jedoch eine Fülle von Schöpfungsbildern zu Geburt. Die Anerkennung des Geborenseins eröffnet neue Denkräume, verändert unser Verständnis von gutem Handeln, von Autorität und von Werten und Normen, sprich: unsere gesamte symbolische Ordnung, so die Theologin Ina Praetorius. Könnte es sein, dass es uns besser gelingt, von diesem geburtlichen Verständnis unserer Existenz als Menschen her, die Welt wohnlicher zu gestalten? 

„Dem Anfang auf der Spur“ – was habe ich ins Leben gebracht – wo bin ich gescheitert – was hat mir Mut gemacht, wieder anzufangen. Ein „Erfahrungsweg“ durch den herbstlichen Wald bringt uns einander näher. Es werden Lebensgeschichten erzählt, fröhliche, mutmachende, auch traurige. „Die Geburt meines Kindes war das Schönste, was mir im Leben bisher passiert ist!“.... „Vier Kinder habe ich groß gezogen, eines war behindert und ist mit 18 gestorben; das war schlimm für uns alle; jetzt bin ich schon so alt, aber wenn ich dran denke, werde ich immer noch traurig“....  „ Ich habe mich sehr eingesetzt, dass es nun regelmäßig ökumenische Gottesdienste bei uns in der Stadt gibt; darauf bin ich schon ein bißchen stolz.“ ..... Sich mitteilen und zuhören, einander etwas anvertrauen. Ein besonderer Nachmittag.

Die Bibelarbeit; Joh. 3, 1-21 „Geburt in die Freiheit“. Spannend und bewegend zugleich, im wahrsten Sinne des Wortes. Ausgestreckt zwischen Himmel und Erde orientieren wir uns  - immer wieder neu – suchen unsere Standpunkte – Feuer – Wasser – Luft – Erde. Erleuchtet werden – vom Wind bewegt – lebendige Quelle – Wachstum. Aus Wasser und Geistkraft neu geboren werden; eine Kraft, die umfängt, bewegt, verändert, die auf das Gute und Heile ausrichtet, lebenslang; immer wieder neu hineingeboren werden in das „Kraftfeld Gottes“. Vor den Texten und Bildern, die während dieser lebendigen und kreativen Bibelarbeit entstehen, wird noch lange diskutiert.

Eine baf-Tagung ohne kreative Elemente – malen – schreiben – musizieren - singen und tanzen? Unvorstellbar. Alle Jahre wieder an einem Abend, die alten Klassiker; und - immer wieder - neue Lieder, neue Tänze. Da muss frau einfach mitmachen. Und in diesem Jahr noch ein besonderer Auftritt am Abend: „bafi“ lädt ein zum Fest, denn baf wird nächstes Jahr 100 – und das wird gefeiert, vom 25. – 28. Oktober 2012 im Hohenwart Forum in Pforzheim-Hohenwart.

Die gemeinsamen Erfahrungen der Tage werden eingebunden im Gottesdienst. Ein meditativer Weg durch unser Leben. Aufbrechen – Erinnern – Trauern - Danken – Hoffen.  Wir erinnern uns an Aufbrüche in unserem Leben, wir schauen auf die Wandlungen in unseren Lebensprozessen, schöpfen Hoffnung und Mut für die Zukunft. Miteinander feiern, singen und beten, Kraft schöpfen. Ein besonderer Moment, der Friedensgruß – es wird ganz still im Raum. Der Reisesegen begleitet uns nach Hause. Im Gepäck neue Lieder, viele Notizen und Informationen, und einen baf-Kalender 2012. Im Kopf noch so manches Gespräch, und im Herzen viel Lust auf baf im nächsten Jahr.

Danke für: Vorbereitung + Technik + Organisation + Moderation + Impulse + Gruppenleitungen + Bibelarbeit + Morgenandachten +  Gottesdienst.

Danke an den Vorstand: Lydia Ruisch, Mariette Kraus-Vobbe, Anneliese Harrer, Ingeborg Hempel, Ingrid Katzenbach, Benedikta Klein und Marion Wenge,

und Danke an:  Birgit Becker, Christine Rudershausen, Dirgis-Beate Wansor, Brigitte Glaab und Anja Goller; den Frauen aus Frankfurt und Bonn für die Morgenandachten,  und Ronja Peschke und Anne Nowak für die Kinderbetreuung.

 

 

 

 

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