Pilgerweg des Vorstands 2005
baf läuft auf ...
... dem Jakobsweg
Das hatten wir verabredet: Wir wollen uns zusammen auf den Weg machen und ein Stück Jakobus-Weg miteinander zurücklegen – pilgern also! Wir, das sind die Frauen vom baf-Vorstand.
Der Termin steht schon lange in meinem Kalender. Aber jetzt – zu all den anderen Terminen auch noch dieses Wochenende „opfern“, und dabei könnte ich es bei dem Wetter so gut gebrauchen, einfach ausruhen, am See entspannen, ohne Gespräche, ohne Tiefgang, ohne körperliche Anstrengung ...
Aber, habe ich nicht verbindlich „Ja“ gesagt? Habe ich. Also beginnt der Aufbruch zu meinem persönlichen Pilgerweg mit dem Packen meines Rucksacks, dem Beschränken auf Notwendiges für drei Tage und dem Verlassen meiner Sicherheit zu Hause. Wie wohl die anderen Pilgerinnen gestimmt sind?
Aus allen Himmelsrichtungen kommend treffen sich unsere Wege zunächst in Crailsheim und führen uns zielstrebig in die Ortskirche, die gerade unter dem Titel „Licht der Welt“ erstrahlt. Texte, Lieder, Gebete, Gedanken zum Ankommen und zum Aufbruch nehmen mir langsam den Alltagsstress. Wir starten.
Was bringe ich eigentlich mit auf diesen Weg? Meine Unlust? Meinen Alltagsstress? Meine Sehnsucht nach Ruhe? Meine Freude am Wiedersehen? Meine Neugier auf diese Etappe? Meine Lust Schritte zu gehen?
So ziehen wir los mit dem ersten Ziel, unsere Herberge für die Nacht zu erreichen. Pilgerinnenherberge, Pilgeressen, Pilgergeschichten, Pilgernächte und Pilgerträume – alles war da und führte mich immer weiter in das Gefühl „Ja, jetzt bin ich unterwegs!“ und „Ich bin nicht allein.“ Wie wohltuend ist es doch auch mal ein Stück mitgenommen zu werden, sozusagen „getragen“ von der Motivation und der Kraft der Anderen.
Crailsheim – Hohenberg, so heißt die Tagesetappe, zu der wir Samstag in der Frühe aufbrechen. Der versprochene Sonnenschein lässt noch auf sich warten, doch wir starten frisch, gestärkt und erwartungsvoll: Was begegnet uns heute wohl? Was liegt am Wegesrand? Gibt es genügend Wegweiser? Werde ich genügend Kraft haben? Was wird von mir erwartet? Worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Und dann muss ich mich auch noch mehr oder weniger führen lassen, dem Urteil anderer anvertrauen, die mit Karte und Buch vorbereitet sind. Ich, die sich doch so gut orientieren kann, die gerne alles strukturiert, die doch so ungern die Führung aus der Hand gibt, die doch immer wissen will, wo es lang geht!
Stopp – jetzt einen Schritt langsamer. – Vor lauter Erwartungsdruck und Fremdbestimmung läuft Dir der gerade getane Schritt davon. Du spürst ihn nicht, Du beachtest ihn nicht. Geht es mir da jetzt nicht wie den Emmaus-Jüngern (diese Bibelstelle war unser biblischer Wegweiser), die auf ihrem Weg auch nicht gemerkt haben, wer da mit ihnen unterwegs war? Die vor lauter Gedanken an Vergangenheit und Zukunft die Gegenwart nicht richtig wahrnahmen? Und so entsteht in mir ein eigenes Schritttempo, ein „los – las – sen“. Und mit jedem Schritt „los – las – sen“ kommt ein „ich kann – ich darf – ich will“. Und so im Rhythmus werden Gedanken an vergangene Wochen und an nächste Woche unwichtig. Ich gehe Schritt für Schritt und daraus wird ein Weg und auf diesem Weg gibt es viele Geschenke, die ich annehmen kann und für die ich sehr dankbar bin. Wir gehen miteinander und doch auch wieder nicht. Jede setzt ihren eigenen Fuß, geht für sich, in Stille und immer wieder im Gespräch mit den Anderen. Und da denke ich wieder an die Emmaus-Jünger und ihren besonderen Weggefährten, der mit ihnen ging; ihnen zuhörte – und sich ihnen mit-teilte.
Stundenhalt auf dem Weg: Texte, Lieder, Gebete, die uns stärken wie ein Schluck Wasser. Sommerwiesen, Felder, Dörfer, Kirchen, Wald, blauer Himmel, strahlende Sonne – Balsam für die Seele, sanft und einladend, und ein wohltuender Lufthauch kühlt die recht erhitzte Haut.
Unsere Pilgerzielorte sind Rotenberg und Hohenberg mit ihren Sieger-Köder-Kirchen. Dieses Feuerwerk an Farben und Licht, dieses Strahlen in den kleinen, stillen Ortschaften war sehr beeindruckend. Es ist fast nicht zu glauben – wir sind allein in den Kirchen. In aller Ruhe betrachten wir Bilder und Fenster, begreifen die Symbolik, staunen und sind tief beeindruckt. Sehr direkt sprechen mich diese Kunstwerke in meinem Gefühl an; noch ehe ich den tieferen Sinn höre und verstehe, haben sie mich berührt – faszinierend.
Im Altarbild begegnet uns die Emmaus-Geschichte wieder. Schmerzende Füße und Schultern (nach 28 Kilometern) treten in den Hintergrund, wir singen, beten, schweigen, teilen miteinander.
Noch elf Kilometer zum Bahnhof nach Ellwangen. Wir erreichen den Bahnhof und unsere Züge. Diese gemeinsame Wegstrecke ist zu Ende. Jede geht die nächsten Schritte allein .... in die neue Arbeitstelle, in die Urlaubsvertretung, in ein wichtiges Seminar, in die Familie ... aber gehen wir wirklich allein?
... Brannte nicht unser Herz? ....
Und das haben wir verabredet: wir pilgern wieder zusammen.
Benedikta Klein
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